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Wissen · Pro Line Hund

Rassenanalyse – Potentiale für die Zucht entdecken

Moderne DNA-analytische Verfahren, wie die Rassenanalyse von Generatio, können messen, in welchem Ausmaß in einem Hund, der einer bestimmten Rasse zugeschrieben wird, tatsächlich die rassetypischen Genomanteile vorliegen.

In der Zuchtplanung ermöglicht die Analyse, Hunde aus anderen Subpopulationen zu identifizieren, die äußerlich dem Rassestandard entsprechen und zusätzlich Genomanteile tragen, die den eigenen Bestand bereichern können.

„Rasse" – ein Begriff ohne scharfe Definition

Eine allgemein anerkannte Definition von „Rasse" gibt es nicht; dennoch wird der Begriff oft mit dem Ziel benutzt, Hunde und andere Populationen zu klassifizieren.
Für die aktuelle Systematik bei Hunden am wichtigsten ist die FCI; sehr hilfreich ist auch das Portal Vertebrate Breed Ontology des EMBL-EBI.

Zoologische Systematik

Die globale Taxonomie der Hunderassen

Laut der FAO ist eine Rasse eine Untergruppe von Tieren mit definierbaren und identifizierbaren äußeren Merkmalen, die eine visuelle Beurteilung (> Phänotyp) und Abgrenzung von ähnlich definierten Gruppen zulässt. Um welche Merkmale es sich jeweils handelt und wie sie bewertet werden, ist nicht reguliert und fließend.

Organisierte Hundezucht

Die Zuchtbuchlösung

Ein Hund gehört zu einer Rasse, wenn er in das Zuchtbuch der Rasse eingetragen ist und seine Eltern es waren. Die Eltern durchlaufen für die Zulassung eine Phänotypbeurteilung. Die Zuchtorganisation und deren Zuchtbuch definieren die Zugehörigkeit, nicht das Genom. Die DNA-basierte Abstammungsprüfung unterstützt die Korrektheit der Einschreibung in das Zuchtbuch.

Züchter ohne Verein

Die Selbstdeklaration

Hundezucht ohne Vereinszugehörigkeit ist nicht reguliert. Der jeweilige Züchter allein legt fest, welche Rassenbezeichnung er vergibt. Je nach Schwerpunkt orientieren sich manche an den anerkannten Zuchtvereinen der jeweiligen Rassen; andere haben sich auf die Zucht von Hybriden spezialisiert oder versuchen, ihre eigene Vorstellung einer bestimmten Rasse zu realisieren.

Quelle

  • FAO: The future of the breed concept. Part 3, Section C, in: The State of the World’s Animal Genetic Resources for Food and Agriculture (Third Report). FAO, Rom. Enthält die FAO-Arbeitsdefinition von 1999. fao.org

Dieselbe Rasse, verschiedene Subpopulationen

Ob Dogge, Schäferhund oder Chihuahua: Es sind nur wenige spezifische Genvarianten, auf denen die mannigfaltigen Hunderassen beruhen. Der messbare, spezifische genomische Hintergrund einer Rasse entsteht vor allem durch die kontinuierliche Limitierung auf die zugelassenen Zuchttiere in streng geschlossenen Zuchtbüchern. Mit der Weiterzüchtung einer auf diese Weitse definierten Rasse mit durch Geografie, Reglement oder Verwendungszweck abgetrennten Zuchttieren, entstehen durch deren Unterschiede oft eigene Subpopulationen. Eine Rassenanalyse kann auch diese Unterschiede aufdecken und nutzbar machen.

Drei Länderpopulationen derselben Hunderasse mit je zwölf Tieren. Die Stammpopulation in Land A trägt sechs genetische Linien, die rote nur bei einem Tier. In Land B ist die rote Linie dreifach vertreten, dafür sind je ein dunkelblaues und ein graublaues Tier weniger vorhanden. In Land C sind zusätzlich zwei Tiere mit einem neu hinzugekommenen Fremdanteil in Orange dargestellt. Zwischen den Populationen findet kaum Genfluss statt.
Jede Population hält eine andere Teilmenge der Rassenvielfalt – was in einem Land verloren ist, kann in einem anderen noch vorhanden sein. In Land C ist zusätzlich ein Fremdanteil neu hinzugekommen. Schema, keine realen Daten.
Gründereffekt

Der Start entscheidet mit

Wird eine Rasse in einem Land aus wenigen importierten Hunden aufgebaut, trägt dieser Bestand von Beginn an nur einen Teil der Rassenvielfalt. Gründereffekte (founder effects) erklären einen Großteil der Differenzierung, die sich heute zwischen den Beständen verschiedener Kontinente messen lässt.

Geografische Isolation

Kontinente bilden Cluster

Italienisches Windspiel und Shetland Sheepdog zeigen eine klare geografische Untergliederung: Die US-Bestände bilden Cluster, die sich von ihren europäischen Gegenstücken abheben. Innerhalb eines Landes trennen unterschiedliche Zuchtstrategien Show- und Arbeitslinien auf dieselbe Weise.

Ungeprüfte Abstammung

Was unerkannt segregiert

Zuchtbucheinträge beruhen auf Meldungen. Wo die Abstammung nicht DNA-geprüft ist, bleibt eine Einkreuzung oft unentdeckt – und mit ihr der Genomanteil, den sie eingebracht hat. Er verschwindet nicht: Er segregiert unerkannt in der (Sub-)Population, im Phänotyp ebenso unsichtbar wie in den Papieren.

Quellen

  • Boyko AR, Quignon P, Li L et al. (2010): A Simple Genetic Architecture Underlies Morphological Variation in Dogs. PLoS Biology 8(8):e1000451. doi:10.1371/journal.pbio.1000451
  • Lampi S, Donner J, Anderson H, Pohjoismäki J (2020): Variation in breeding practices and geographic isolation drive subpopulation differentiation, contributing to the loss of genetic diversity within dog breed lineages. Canine Medicine and Genetics 7:5. doi:10.1186/s40575-020-00085-9

Was die Rassenanalyse am einzelnen Hund zeigt

Die Rassenanalyse vergleicht das Genom eines Hundes mit den verfügbaren Referenzgenomen durch SNP-Array-Datenabgleich. Generatio verfügt mit über die umfangreichsten und am Besten charakterisiersten Referenzdatensätzen. Angezeigt werden die Anteile der erkennbaren Rassen. Bei weniger als 5% fließt der betreffende Anteil in die Gruppe der 'Sonstigen' ein. So wird sichtbar in welchem Umfang neben dem rassetypischen Hintergrund auch andere Genomanteile vorliegen.

Zwei Hunde mit rassetypischem Dobermann-Phänotyp aus verschiedenen Ländern; das Donut-Diagramm zeigt für Tier A 95 Prozent Dobermann-Genom und 5 Prozent sonstige Anteile, für Tier B 90 Prozent und 10 Prozent.
Beide Tiere entsprechen dem Rassestandard – der Unterschied liegt im Genom. Beispielwerte.

Nach dem Phänotyp wäre beide Hunde der Rasse zugehörig: Jeder von ihnen sieht aus wie ein echter Dobermann. Tier B zeigt jedoch die größere genomische Vielfalt und könnte damit eine Bereicherung für den eigenen Bestand sein – sofern Inzuchtanalyse und Paarungsbewertung nicht dagegen sprechen.

Rassetypisch

Wie viel rasseprägender Anteil

Bei Hunden, die als reinrassig gelten, zeigt die Analyse in welchem Umfang die für eine Rasse charakteristischen Genomanteile im Hund vorliegen. Ein Hund kann so eindeutig allein durch DNA-Informationen eingeordnet werden – vergleichbar mit anderen Hunden derselben Rasse und über die Nachfolgenerationen verfolgbar.

Weitere Anteile

Was das Genom reicher macht

Genomanteile, die nicht zum Referenzhintergrund der Rasse gehören sind in gewissem Umfang immer gegeben. Solange das Zuchtziel gewahrt bleibt, können diese Anteile eine Bereicherung sein. Es handelt sich entweder um Relikte aus der Zeit vor der Rasseetablierung, oder um echte Fremdrasseanteilen, die unerkannt in die Rasse eingebracht worden sind.

Einordnung

Rassehund – oder nicht

Der Befund zeigt eine Zusammensetzung auf Genomebene. Aktuell gibt es noch keine Rahmenbedingungen inwieweit eine bestimmte Zusammensetzung ein einzelnes Tier als zugehörig zu einer Rasse definieren würde. Für die abschließende Einstufung und Anerkennung wären in Grenzfällen weitere Bewertungen vorzunehmen: Phänotyp und Inzuchtlage sowie Potential für die Auffrischung des eigenen Bestands.

Inzucht immer mitbewerten

Die realistische Ausgangslage: Ein Rüde aus einer anderen Population wäre in der individuellen Bewertung vielversprechend im Rassenhintergrund und bei der individuellen Inzuchtlage.
Wie viel davon bei den potentiellen Nachkommen tatsächlich ankommt, entscheiden aber nicht sein eigenen Werte alleine, sondern wie diese zur vorgesehenen Hündin passen. Deshalb gehört zu jeder Kandidatenbewertung die Frage, wie sich die Anpaarung auf die Inzuchtlage der Nachkommen auswirkt.

Dieselbe Hündin, in beiden Anpaarungen gleich eingefärbt, mit zwei unterschiedlich eingefärbten Kandidaten von ähnlichem eigenem GIK: Kandidat A führt zu Welpen mit 19 Prozent, Kandidat B zu Welpen mit 11 Prozent erwartetem GIK.
Kandidat B ist selbst stärker ingezüchtet als Kandidat A – und trotzdem die bessere Wahl, weil er mit der Hündin weniger teilt. Beispielwerte, Schema.
  1. Der eigene Wert beschreibt den Kandidaten

    Der genomische Inzuchtkoeffizient GIK (FROH) sagt, wie viel des Genoms beim Kandidaten selbst homozygot vorliegt. Das ist eine Aussage über ihn – über die geplante Anpaarung sagt sie für sich genommen wenig.

  2. Die gemeinsamen Abschnitte entscheiden

    Die erwartete Inzuchtlage der Welpen ergibt sich daraus, was beide Elterntiere an denselben Stellen teilen. Ein Kandidat mit höherem eigenem Wert kann deshalb die bessere Wahl sein, wenn er mit der Hündin wenig gemeinsam hat.

  3. Rassetypisches erhalten

    Ziel ist nicht der niedrigste Wert um jeden Preis. Die rassetypischen homozygoten Regionen sollen erhalten bleiben – gesenkt wird die Homozygotie außerhalb davon. Genau diese Unterscheidung liefert die genomweite Auswertung.

Unser DNA-Test zur Rassenanalyse: Qualität vor Rassenzahl

Rassenanalysen werden oft mit der Zahl der abgedeckten Rassen beworben. Manche Anbieter preisen über 400 Rassen an – das suggeriert, annähernd alle weltweit geführten Hunderassen unterscheiden zu können. Die publizierte Datenlage gibt das nicht her.

Die aktuelle Studienlage

Was belegt ist 146 Rassen, die sich in der umfangreichsten öffentlichen Analyse eindeutig abgrenzen ließen

Die bislang umfangreichste öffentlich zugängliche Untersuchung umfasst 1.346 Hunde aus 161 Rassen. 146 davon ließen sich eindeutig als eigene Rasse abgrenzen, 15 nicht. Ein großes aktuelles Referenzpanel unterscheidet 114 Rassen; seine Autoren nennen fehlende Referenzdaten ausdrücklich als Grenze ihrer Zuordnung.

Für die übrigen der weltweit rund 400 geführten Rassen existiert keine vergleichbare veröffentlichte Grundlage.

Warum das so ist genomische Nähe Je ähnlicher zwei Rassen (Subpopulationen) sind, desto mehr sichere Referenztiere braucht es

Viele Rassen stehen sich genomisch sehr nahe: Sie teilen eine gemeinsame Zuchtgeschichte und unterscheiden sich nur in kleinen Teilen des Genoms. Je geringer dieser Abstand ist, desto mehr Referenztiere braucht es, um zwei Rassen zuverlässig zu differenzieren.

Eine viele Rassen umfassende Liste ist deshalb für sich genommen kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, wie viele Tiere hinter jeder einzelnen Rasse stehen – und ob eine Trennung, die ausgewiesen wird, überhaupt belastbar ist.

Die Rassenanalyse bei Generatio

Wir bewerten jeden untersuchten Hund nach einer 3-stufigen Auflösung hinsichtlich seiner Zusammensetzung und genomischen Ähnlichkeit:

Stufe 1: Distinkte Rassen 164 genomisch klar abtrennbare Rassen

Angabe der Rassenamen

Diese Rassen weisen eine genomische Zusammensetzung auf, die anhand der Referenzdaten eine klare Zuweisung ergibt. Unser Befund benennt die einzelne(n) Rasse(n) und deren Anteil(e) am Gesamtgenom des untersuchten Hundes.

Stufe 2: Zusammengefasste Rassen Genomabstand gering Gruppe sehr nah verwandter Rassen

Rassengruppe

Zusammengefasst sind Rassen, die sich genomisch so nahe stehen, dass sie einzeln nicht sicher abgetrennt werden können. Die Gruppe selbst ist sicher abgegrenzt – gegenüber den distinkten Rassen und anderen Rassegruppen.

Beispiele: Spitze mit ihren Größenschlägen – Bully-Typ mit Pitbulls und Staffordshires – Molosser – Wölfe – Französische Laufhunde – Coonhounds

Stufe 3: Sich ähnelnde Hunde Genomabstand groß Spezifisch geographisch ausgebildeter Hintergrund als Indikator

Mischlingsrassen

Diese Gruppen umfassen beispielsweise die lokalen village dogs verschiedener Regionen. Es sind aus den verschiedensten lokalen Ursprungs- und Importrassen entstandene Mischlingshunde mit einem eigenen genomischen Hintergrund. Derzeit führen wir 9 solcher Pools: mit weitem Genomspektrum, aber klarer Abgrenzung nach außen. Beispiele: Zentralasiatische Herdenschutzhunde – Europäische Herdenschutzhunde – Türkische Herdenschutzhunde – Afrikanische Dorfhunde – Ostasiatische Dorfhunde – Lateinamerikanisch-pazifische Dorfhunde – Dorfhunde Naher Osten/Nordafrika – Südostasiatische Dorfhunde – Südasiatische Dorfhunde

Hinweis: Unser Datenmaterial aus Südamerika, Asien und Afrika befindet sich im Aufbau. Mit wachsender Zahl der bisher eher exotischen Referenzen können eventuell einzelne Rassen aus einem Pool herausgelöst werden und neue Pools hinzukommen.

Quellen

  • Parker HG, Dreger DL, Rimbault M et al. (2017): Genomic Analyses Reveal the Influence of Geographic Origin, Migration, and Hybridization on Modern Dog Breed Development. Cell Reports 19(4):697–708. doi:10.1016/j.celrep.2017.03.079
  • Sexton CL, Reichel C, Keyser A, Dunbar MD, Dog Aging Project Consortium, Ruple A (2025): Comparing owner reported and genetic breed identification reveals high concordance in a large cohort from the Dog Aging Project. Scientific Reports 15:30493. doi:10.1038/s41598-025-15095-5